Der weiche Saum
Außen liegt ein halbdunkler Rand. Dort verdeckt die Erde die Sonne nur zum Teil, ein Stück Sonnenrand scheint noch vorbei. Der Mond wird dabei bloß eine Spur fahler. Die meisten Leute sehen davon nichts.
Freitag, 28. August 2026, früher Morgen
Eine Mondfinsternis ist kein Wunder und kein Zufall. Sie ist ein Schattenwurf, und man kann ihn verstehen, ohne ein einziges Fachwort zu lernen. Hier steht, was da oben geschieht, und eine Zeichnung zeigt es Schritt für Schritt.
Ansehen, wie es entstehtDer Schatten
Die Sonne ist weit weg und riesig. Die Erde ist klein und nah. Alles, was von der Sonne angestrahlt wird, wirft einen Schatten nach hinten, ein Baum, ein Haus, und eben auch die Erde. Nur reicht der Schatten der Erde nicht bis zum Gartenzaun, sondern über eine Million Kilometer weit ins All hinaus.
Der Mond zieht seine Runde um die Erde. Meistens geht er über diesem Schatten vorbei oder darunter durch, denn seine Bahn ist ein wenig geneigt. Nur ein paar Mal im Jahr trifft er ihn genau.
Er läuft von selbst. Wer mag, schiebt ihn von Hand.
Von hier unten aus
Voller Mond
Noch scheint die Sonne ungehindert auf den Mond. Er steht hell und rund am Himmel.
Außen liegt ein halbdunkler Rand. Dort verdeckt die Erde die Sonne nur zum Teil, ein Stück Sonnenrand scheint noch vorbei. Der Mond wird dabei bloß eine Spur fahler. Die meisten Leute sehen davon nichts.
Innen liegt der eigentliche Schatten. Dort steht die Erde ganz im Weg. Vom Mond aus wäre die Sonne vollständig hinter der Erde verschwunden. Das ist die dunkle Kante, die man langsam über den Mond wandern sieht.
Der Mond ist schnell, aber der Schatten ist breit. Über drei Stunden braucht er, um durch den harten Kern zu ziehen. Man kann also in Ruhe hinsehen, einen Tee holen und wieder hinsehen.
Die Farbe
Im harten Kern des Schattens müsste der Mond eigentlich verschwinden. Er tut es nicht. Er glimmt in einem dunklen Kupferrot, mal heller, mal fast braun.
Schuld ist die Luft. Um die Erde liegt sie wie ein dünner Ring, und Sonnenlicht, das diesen Ring streift, wird abgelenkt und in den Schatten hinein gebogen. Unterwegs bleibt das Blaue hängen, das Rote kommt durch. Genau deshalb ist auch ein Sonnenuntergang rot.
Was den Mond in dieser Nacht anleuchtet, ist also das Licht sämtlicher Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge der Erde auf einmal.
Am 28. August liegt nicht der ganze Mond im harten Kern, ein schmaler Streifen am Rand bleibt hell. Und weil dieser Streifen so hell ist, wirkt das Kupferrot daneben blasser als auf den Bildern einer vollständigen Finsternis.
Der Termin
Alle Zeiten in der bei uns geltenden Sommerzeit, für die Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 28. August 2026. Ein Fernrohr braucht niemand, die bloßen Augen genügen. Ein Fernglas macht es schöner.
Kaum zu bemerken. Wer sehr genau hinsieht, findet den Mond eine Spur matter als sonst.
Jetzt wird es sichtbar. Ein runder, dunkler Rand schiebt sich über den Mond. Das ist der Umriss der Erde, an den Himmel gezeichnet.
Rund 93 von 100 Teilen des Monddurchmessers stecken im harten Schatten. Nur ein schmaler heller Streifen bleibt, der Rest schimmert kupfern.
Von hier aus nicht mehr zu sehen. Da ist der Mond bei uns längst untergegangen.
Der Mond geht bei uns mitten im Geschehen unter, je nach Ort etwa zwischen Viertel nach sechs im Osten Deutschlands und kurz vor sieben ganz im Westen. Der schönste Teil fällt also fast genau mit dem Untergang zusammen.
Deshalb: einen Platz suchen, von dem aus der Blick tief nach Westen bis Südwesten frei ist, ohne Haus und ohne Baumreihe davor. Ein Feldweg, eine Brücke, ein Hang. Und lieber eine halbe Stunde zu früh dort sein.
Die totale Mondfinsternis dieses Jahres war schon am 3. März, von Europa aus war sie nicht zu sehen. Die nächste, die bei uns in voller Länge am Himmel steht, kommt am 31. Dezember 2028.
Schreiben
Wenn etwas unklar geblieben ist, oder wenn hier ein Fehler steht: immer her damit.
Lieber gleich aus dem eigenen Mailprogramm heraus? max@mondfinsternis-2026.lina4.ai